Chris Frazier fühlt sich wohl in Iserlohn: „Ein perfekter Standort für Basketball”

Was lange währt, wird endlich gut. Aus Sicht der Iserlohner Zweitliga-Basketballer trifft diese altbekannte Floskel bezüglich ihres Transfers im Sommer genauso zu wie auch umgekehrt für den von den Rostock Seawolves zu den Kangaroos gewechselten Chris Frazier. „Iserlohn“, sagt der 1,82 Meter große Shooting Guard, „hatte ich schon länger auf meiner Liste. Die Atmosphäre in der Halle hat mir schon immer gut gefallen.“ Nach zwei Jahren bei den „Seawolves“ wollte der treffsichere Dreierschütze wieder mehr Verantwortung übernehmen als in Rostock, wo er als absoluter Publikumsliebling in der vergangenen Saison in der ProA nicht mehr so oft zum Einsatz kam. Deshalb musste er nicht lange überlegen, als das Angebot aus Iserlohn bei seinem Agenten eintraf. „Zwei Minuten später habe ich unterschrieben.“ Und Chris Frazier hat sich schnell eingelebt, fühlt sich pudelwohl bei den Kangaroos. „Es ist hier alles ziemlich familiär, keiner wird abgeschottet, alle kommen gut miteinander klar. Das passiert nicht so oft, das Team ist charakterlich perfekt zusammengestellt.“ Dies entspricht genau seiner Philosophie. „Es gibt Mannschaften, die nur Talent reinholen, aber im zwischenmenschlichen Bereich passt es nicht. Du kannst Topleute verpflichten, aber dann wollen die nur ihr eigenes Ding machen.“

Frazier wirkt bescheiden, sieht sich als Teil und keineswegs als Star dieser Mannschaft. Der Distanzschütze fällt als Local-Player nicht unter der Ausländerregel, weil er Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters ist. „Ich bin ein Soldatenkind“, sagt Frazier – also „Born in Mannheim“ statt „Born in the USA“, aufgewachsen ist er allerdings in Heidelberg. Dort hatte er schon mit anderthalb Jahren einen Ball in der Hand. „Angefangen mit Basketball habe ich aber erst mit fünf Jahren“, erinnert sich Frazier. Wie sein Vater zunächst in einem Team mit Amerikanern, später spielte er in Jugend der TSG Heidelberg sowie der TSG Sandhausen und dann wieder auf einer High School in Heidelberg, weil dort seine ganzen Freunde waren. „Das war eine Entscheidung, die ich heute ein bisschen bereue. Bei den deutschen Vereinen hätte ich mich vermutlich besser entwickeln können und wäre früher Profi geworden.“

Das Familienoberhaupt ist bis heute sein großes Vorbild. „Mein Vater hat zwar nur in der Armee gespielt, aber was er erreicht hat, beeindruckt den 28-Jährigen. „Er hatte kein Geld, ging mit 18 Jahren in die Army, hat sich alles selbst erarbeitet und die Familie perfekt aufgebaut. Er kam quasi aus dem nichts und ist jetzt dort, wo er hin wollte. Er ist keiner, der aufgibt.“ Die Familie ist ein wichtiger Bestandteil in Chris‘ Leben. „Wir sind alle eng zusammen.“ Natürlich vermisst er seine seit etwa anderthalb Jahren in Amerika lebenden Eltern. „Man will die Mutter sehen, Home cooked Meal (hausgemachtes Essen) genießen, mit der Schwester abhängen oder mit dem Vater ein bisschen Golf spielen.“ Frazier wird aber von seiner Familie bei allem, was er macht, unterstützt. „Ich kann jeden Tag anrufen, egal, wie spät es ist.“

Gleichwohl ist der Deutsch-Amerikaner das Alleinsein aufgrund seiner Vita gewöhnt. Er verweist auf seine College-Jahre an der University of Dubuque im US-Bundesstaat Iowa, wo er sich zunächst zwischen American Football und Basketball entscheiden musste. „Iowa ist vielleicht der kälteste Staat in Amerika, deshalb habe ich den Hallensport gewählt.“ Keine schlechte Entscheidung, denn der Shooting Guard traf in 107 Partien für Dubuque 242 Dreipunktwürfe bei 585 Versuchen, was eine Trefferquote von 41,4 Prozent bedeutete. Im Collegeteam nannte man ihn auch Ironman, weil er nur zwei Begegnungen verpasste. Mit dem Bachelor-Abschluss (Sportmanagement- und –marketing) kehrte er zur Saison 2014/15 nach Deutschland zurück, unterschrieb beim Pro-B-Ligisten BBC Magdeburg seinen ersten Profi-Vertrag und wechselte ein Jahr später zum Bundesligisten Crailsheim. „Ich hätte nie gedacht, dass ich den Sprung so schnell schaffe.“ Doch erlitt er zweimal einen Fußbruch. „Danach war es schwer, in die Rotation zu kommen.“ Über die Artland Dragons kam er schließlich zu den Sealwolves nach Rostock, mit denen er den Aufstieg in die ProA schaffte.

Jetzt ist er in Iserlohn gelandet und bereut diesen Schritt keine Sekunde. „Das ist ein perfekter Standort für Basketball. Ich bin ein einfacher Mensch und brauche deshalb keine riesige Metropole, um irgendwo auszugehen. Hier ist es sehr gemütlich.“ Man sei schnell in Köln, Mannheim oder Heidelberg, wo Verwandtschaft wohnt. So oft wie möglich besucht ihn seine Freundin Skady aus Rostock. Sie studiert in Wismar BWL. Er sei gerne zu Haus und schaut viel Basketball, natürlich gerne die New York Knicks. Eigentlich war Chris Anhänger der Cleveland Cavaliers, doch als Basketball-Star LeBron James nach Miami wechselte, suchte sich Frazier einen neuen Verein. „Ich konnte LeBron nicht nach Florida folgen, das hat jeder gemacht.“

Obwohl bei den Kangaroos momentan noch nicht alles rund läuft, traut er der Mannschaft einiges zu. „Wir sind besser, als wir uns bisher präsentiert haben.“ Die Liga sei aber stärker geworden. „Jeder kann jeden schlagen, es gibt nicht mehr wie früher, vier oder fünf Teams, die alles dominieren.“ Iserlohn habe viel Potenzial und in den Play-Offs sei alles möglich. „Da kann man selbst mit dem achten Platz durchstarten.“ Den Drei-Jahres-Plan der Kangaroos, an dessen Ende der Aufstieg in die ProA stehen soll, hält Chris Frazier für umsetzbar. „Hier geht es in die richtige Richtung, die Voraussetzungen stimmen.“ Natürlich will er dazu beitragen. „Ich hoffe, dass ich in Iserlohn bald wieder mein altes Level erreiche.“ Druck verspürt er nicht, auch wenn der Distanzspezialist in Iserlohn eine Führungsrolle ausfüllen soll. „Ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. In den großen Momenten taue ich am meisten auf.“

Wer mehr über Chris Frazier wissen will, der kann nach dem Spiel gerne zu ihm kommen. „Jeder kann mich ansprechen, ich bin wie ein alter Kumpel, unterhalte mich gerne mit den Fans und integriere sie gerne.“

Das nächste Spiel findet am 26.10.2019 um 19.30Uhr statt:

Iserlohn Kangaroos vs. Itzehoe Eagles

                                                                                                                   

Pressemitteilung Iserlohn Kangaroos | Foto: J. Koppenstein

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